17. September 2007
Die Indien-Rundschau befindet sich bis Mitte Oktober in Indien (Punjab und Himachal Pradesh). Trotz in letzter Zeit recht spärlicher Einträge (was aber auch daran liegt, dass sich Geschichten zum x-ten Mal wiederholen und gerade “Unternehmen A investiert jetzt auch in Indien” Schlagzeilen eigentlich außer für das betroffene Unternehmen keine wirklich Neuigkeit sind) geht es danach natürlich weiter mit der Indien-Rundschau, und es wäre eigentlich auch mal Zeit für ein optisches Update…
14. August 2007
Heute nacht ist es soweit: Die Mitternachtskinder werden 60. Oder anders ausgedrückt: Indien feiert am 15. August 60 Jahre Unabhängigkeit und Demokratie. Grund genug für die Süddeutsche Zeitung, den indischen Weg als stabilste und volksnächste Demokratie in Asien in einem Kommentar zu würdigen. Als dunkler Schatten über der Geschichte liegt dagegen der Konflikt mit Pakistan, der nun auch bereits ins 60. Jahr geht und großes Leid auf beiden Seiten gebracht hat ohne einer Lösung auch nur einen Schritt näher zu kommen. Dafür braucht es wohl erst einen Systemwechsel in Pakistan, der im Moment allerdings nicht vorstellbar ist. Auch das Verhältnis zu China ist nicht von großer gegenseitiger Zuneigung geprägt, es überwiegt aber der Respekt vor der rational-professionellen Diplomatie der anderen Seite und die Hoffnung auf Win-Win-Situationen durch Erleichterung des zwischenstaatlichen Warenverkehrs.
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9. August 2007
Der Betriebswirt weiß Bescheid, der Rest wundert sich ein wenig: wenn eine Firma etwas an eine andere Firma verkauft, nennt man das B2B (weil “Business-to-Business” sagen nur alte Männer). Wenn eine Firma etwas an einen Endkunden verkauft, wird das als B2C (”Business-to-Consumer”) bezeichnet. Soweit zum BWL-Crashkurs. Aber damit ist halt mit der geringst möglichen Zeichenzahl beschrieben, was derzeit hinter den Kulissen des Handels in Indien passiert. Nachdem bereits Metro vor 3 Jahren unter Protesten den Einstieg in den Zwischenhandel gewagt hat, zieht nun Wal-Mart nach. Diese Cash&Carry-Märkte ersetzen dann die vielgliedrige Kette aus Zwischenhändlern, die bisher zum indischen Geschäftsleben gehörten. Was für die einen ein Quantensprung in Effizienz ist für die anderen eine Bedrohung von Millionen Arbeitsplätzen…tirol.com berichtet.
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Indien. Frauen pflücken Tee, Bauern bearbeiten ihr Feld mit Ochse und Pflug, Kinder ziehen Handkarren mit Getreide. Bald ein Bild der Vergangenheit? Die FTD hat einen Blick auf auf die boomende indische Wirtschaft geworfen - fernab von IT, Pharma und Chemie. Denn das größte Potenzial steckt im indischen Boden. Wo derzeit noch mit Methoden aus dem 19. Jahrhundert gearbeitet wird, sind Agrarkonzerne drauf und dran, die “grüne Revolution” von Indira Gandhi fortzusetzen. Das bedeutet: Maschinisierung, Einsatz von (gen-)optimiertem Saatgut und Düngemittel, Straffung der Logistik, direkter Zugang zu den Märkten. Diejenigen, die jetzt auf den Zug aufspringen, sehen einer rosigen Zukunft entgegen. Aber selbst denen wird in ein paar Jahren bewußt werden, dass auch die besten Methoden und effizientesten Prozesse am Ende vor allem den Investoren zu Gute kommen werden. Für das ohnehin schon unter Überbevölkerung und Arbeitslosigkeit leidende ländliche Indien wird es ohne Zweifel einen weiteren gesellschaftlichen Schock bedeuten und letztendlich wohl zur Abhängigkeit von börsennotierten Agrarkonzernen führen. Aber wenigstens sollten dann wohl die gefürchteten Hungersnöte der Vergangenheit angehören.
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So unterschiedlich kann Berichterstattung sein. Während die taz darüber jubelt, dass das Patentrecht für Medikamente trotz Druck des Konzerns Novartis nicht verschäft (Kritiker könnten auch sagen überhaupt eingeführt) wird und darin einen Sieg der Dritten Welt gegen die Erste sieht (der “Millionen rettet”), konstatiert die NZZ keine Einflüsse auf den Börsenkurs und den Vorbehalt weiterer juristischer Schritte auf Seiten des schweizerischen Pharma-Unternehmens.
Wie so oft hat das Geschehen seine Vor- und Nachteile in der Gesamtbetrachtung. Natürlich ist gegen eine “Zwangs”-Umverteilung von arm zu reich nichts grundsätzlich einzuwenden. Die Wohlhabenden bezahlen für ihre Medikamente mehr, damit die Ärmeren nicht von der Versorgung ausgeschlossen werden. Die Pharmabranche wird davon nicht begeistert sein, aber das Spiel mitmachen. Das funktioniert aber nur, so lange die verschiedenen Krankheiten gleichmässig auf der Welt verteilt sind. Ist jedoch eine Krankheit weitestgehend nur in den ärmeren Ländern der Welt vertreten, so führt eine lasche Patentgesetzgebung dazu, dass sich die Pharma-Unternehmen die Entwicklung besserer Medikamente sparen - es ist dann ja absehbar, dass man die Forschungskosten nicht wieder hereinholen kann. Hier müsste dann also doch der Staat (der dritten Welt) einspringen und Exklusivrechte vergeben können - was wiederum die einheimische Pharma-Industrie auf die Palme bringt und korruptionsanfällig ist. Was in diesem Fall also “Millionen rettet” (die an “Wohlstandskrankheiten” leiden) könnte also auch Millionen umbringen - die mit den “Armutskrankheiten”.
Artikel taz
Artikel NZZ
27. Juli 2007
Einen Knigge für schweizer Manager auf Geschäftsreise präsentiert das Tagblatt. Wenn auch die Tipps etwas unzusammenhängend sind und eine ausführliche “Kulturschock”-Lektüre nicht ersetzen können, ist besonders die hier geschilderte Bedeutung der Ehe im alltäglichen Leben in Indien nicht von der Hand zu weisen. Wer nicht mit spätestens 25 verheiratet ist, wobei Ehen innerhalb der Kaste die Regel sind, ist auf jeden Fall “verdächtig”; entweder sind es körperliche oder geistige Gebrechen, eine kriminelle Vergangenheit oder der Mangel an Besitz. Unverheiratet zu sein heißt in Indien “unreif”; diese Einstellung ist selbst bei ansonsten weltoffenen Familien anzutreffen. Wer also in seinem Privatleben George Clooney nacheifert sollte sich für seine indischen Geschäftspartner schon mal eine passende Geschichte zurechtlegen, um nicht in ein allzu schiefes Licht zu geraten…
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Nicht nur, dass der reichste Mann in England ein Inder ist, jetzt werfen findige indische Manager ein Auge auf klassische englische Automobil-Marken, einst der Stolz der Insel. Für den traditionsbewussten Engländer bestimmt not amusing. Jaguar und Land Rover gehören zwar derzeit bereits Amerikanern, nämlich der Ford Company in Dearborn, Michigan. Aber es ist dann schon etwas anderes, von den ehemaligen Untertanen gezeigt zu bekommen, wie man Unternehmen richtig führt. So gilt “Tata” auch in England bisher als Billigmarke mit unzuverlässigen und unsicheren Fahrzeugen - was manchen Interessenten an einem 60000 Euro-Auto vielleicht erstmal irritieren wird. Aber vielleicht tun sich ja neue Absatzmärkte bei den indischstämmigen Briten auf…der österreichische Kurier bringt uns auf den aktuellen Stand.
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Ein Thema, das Proteste provoziert: Indien schliesst mit den USA ein Abkommen, um neue Atomkraftwerke zu bauen. Das verlangt die New Economy. Kohle produziert zuviel CO2, ganz klar - keine Alternative. Wasserkraft? Tolle Umweltbilanz, aber wehe man denkt in indischen Dimensionen; da werden dann ganze Regionen geflutet wie an der Narmada. Die NZZ sieht daher das Abkommen erst einmal positiv, nach dem Motto “das geringste Übel”. Was Greenpeace dazu sagt?
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