Ruhestörung
Ich war im Oktober 2007 in McLeod Ganj, offiziell der “Sitz der tibetischen Exil-Regierung”, inoffiziell ein Ferienparadies für westliche Weltverbesserer und Esoteriker. Man hatte es sich dort gemütlich eingerichtet: unzählige Unterkünfte und Restaurants, Yoga- und Meditationskurse, geführte Wanderungen und Vorträge über die tibetische Kultur. Jeden Abend säumten Händler die schmalen Strassen, es fühlte sich ein wenig an wie deutscher Weihnachtsmarkt. Der Ort an sich wäre ohne die chinesische Herrschaft in Tibet undenkbar, aber andererseits hatte man es sich doch recht gemütlich gemacht auf dieser Bergkuppe und hatte sich damit begnügt, jedem Journalisten und interessierten Besucher zu bestätigen, dass es der Verwandschaftin Tibet schlecht ginge und daraufhin einen Butter-Tee und ein Free Tibet Shirt anzubieten. Es erinnerte auch ein wenig an die Situation in West-Berlin in den 80ern…dort gab es die Mauer und alles und die armen Brüder im Osten - aber eigentlich ging’s einem gut und es war nunmal so wie es ist.
Vorbei ist es mit der Ruhe in McLeod Ganj seitdem Tibet am Rande eines Bürgerkrieges steht. Nun ist der Ort zweigespalten und die Touristen eher lästig als willkommene Multiplikatoren. Weiter den Satyagraha-Kurs vom Dalai Lama fortsetzen (der in den letzten Jahrzehnten herzlich wenig gebracht hat, aber welcher Buddhist denkt schon in so kurzer Zeitspanne) oder doch lieber Guerilla-Krieg gegen die Besatzer (der in der Vergangenheit zwar riesiges Leid, aber auch beachtliche politische Erfolge erzielen konnte)? Und in wieweit darf man gegen China protestieren, ohne die indischen Gastgeber in die Bredouille zu bringen?
Ein sehr aufschlussreicher Lagebericht aus McLeod Ganj/Dharamsala findet sich dazu im Tagesspiegel.



2. April, 2008 um 08:19
Ich glaube, für Touristen ist das gerade ein Ort, den man lieber meiden sollte, oder, zumal man ja nicht sagen kann, ob und wann sich die Lage wieder beruhigt.
4. April, 2010 um 18:48
Also ich würde da nicht Urlaub machen wollen, zwischen den Fronten. Am Schluss macht man falsche und wird festgenommen oder so. Da bleibe ich lieber hier im schönen ruhigen Deutschland.
15. April, 2010 um 19:29
Also ich habe mal zwischen den Fronten Urlaub gemacht und muss sagen es wurde manchmal ganz schön heiß. Naja einmal im Leben und dann nie wieder.