24.01.2014

Vom Superstar ins mediale Dschungelcamp

Es ist spannend, wenn man in die ersten Beiträge dieses Blogs schaut – als Indien damals in den deutschen Medien über den grünen Klee gelobt, als  Vorbild ausgerufen und als Supermacht des 21. Jahrhunderst proklamiert wurde. Das ist 8 Jahre her. Seitdem hat sich die Stimmung gegenüber dem Land in den deutschen Medien (und der deutschen Gesellschaft?) grundlegend geändert. Aus dem Wirtschaftswunderland wurde eine gesellschaftlich rückständige Nation mit archaischen Sitten, unerträglicher Korruption und menschenverachtenden Konzernen. Ist das noch dasselbe Land, das mal als wirtschaftlicher Motor der dritten Welt galt? Zweifellos. Und das ist gerade das spannende an dieser Entwicklung. Natürlich haben sich die wirtschaftlichen Kerndaten von Indien in den letzten Jahren verschlechtert, aber das wird erst mittelfristig Folgen für den Alltag der Inder haben. Im indischen Alltag hat sich seit 8 Jahren wenig verändert, weder der erhoffte Wohlstand für alle noch der gefürchtete “brain drain”. Geändert hat sich vor allem die Wahrnehmung im Ausland. Die Scheinwerfer der Auslandsjournalisten beleuchten nun wieder das Indien der Armut, das Indien der Dörfer, das Indien der Extreme – nicht mehr das Indien der Konzerne, das Indien der Metropolen und des kleinen Wohlstands.  Genau so wie vor 8 Jahren die starre Gesellschaftsstruktur auf dem Subkontinent verharmlost wurde wird sie nun überzeichnet. Es arbeiten heute mehr Frauen in Indien in qualifizierten Jobs als je zuvor, es werden gewaltige Infrastruktur-Projekte betrieben, um die Regionen bessere zu verbinden und mit Energie und Wasser zu versorgen. Das wären 2006 noch Aufmacher gewesen, aber das findet in den deutschen Medien von 2013 nicht mehr statt. Stattdessen lesen wir über Gewalt und Intoleranz, über Korruption und Unterdrückung. Dabei hat sich Indien auch in diesen Dingen in den letzten 20 Jahren verbessert, vor allem wird es in den indischen Medien, die immer mutiger werden, offen angeprangert. Auch gibt es öffentliche Proteste gegen Ungerechtigkeiten, die im letzten Jahrhundert undenkbar waren. Die Schattenseiten der indischen Gesellschaft sind nicht neu, aber die öffentliche Diskussion ist es. Das geht leider in den deutschen Medien verloren, die anstatt über den geänderten Umgang der Inder mit ihren Dämonen inzwischen nur noch über die Dämonen berichten. Indien hat unsere Erwartungen vom kometenhaften Aufstieg nicht erreicht, es wurde nicht, wie der Hype es versprach, zum Musterland der Entwicklungsländer, also muss es nun ins mediale Dschungelcamp, damit man sich bei uns ständig vergewissern kann, wie viel besser es doch einem selber geht.

Passend zum komplett gewandelten Indien-Bild in deutschen Medien dazu ein Artikel aus der Zeit: Artikel-Link

10.01.2013

Auslaufmodell Eve-teasing

Ein Verbrechen erschüttert den Subkontinent. Die besondere Grausamkeit hebt es über den indischen Alltag hinaus, aber der wahre Sprengstoff liegt darin, dass es dann doch indischer Alltag ist. Und selbst wenn es nicht zur Vergewaltigung kommt, der Umgang von Männern mit Frauen in Indien ist häufig von Gewalt und Einschüchterung begleitet. In der traditionellen indischen [...]

20.11.2012

Das Ende des Mittelalters

46 Jahre. So lange war Bal Thackeray der bestimmende Faktor der Shiv Sena, der hauptsächlich in Maharashtra sehr beliebten “Hindu-Lobby”, die nicht nur mit Worten kämpfte. Daher wurde sie auch gerne mal “die Hindu-SS” genannt, die Inder haben ja eh weniger Ressentiments gegen Nazi-Vokabular als Europäer. Was als kleine Organisation zur Bewahrung und Förderung der [...]

30.08.2012

Ein Flagship-Store für den Führer

Indien liebt seine Persönlichkeiten, besonders die, die ein bisschen “shady” sind. Daher wird ein Gandhi zwar allerorts verehrt, kann aber gegenüber Hindu-Göttern und Bollywood-Sternchen nicht wirklich die Herzen im Volk erobern. Dazu kommt, dass aufgrund des sehr indo-zentrischen Bildungssystems die Bekanntheit internationaler Berühmtheiten in den college-fernen Bevölkerungsschichten oft ziemlich gering ist. Hinzu kommt dann auch [...]