Das Leben der Anderen
Der krasse Gegensatz von arm und reich in Indien dürfte das bekannteste Attribut dieser Gesellschaft sein (vielleicht sogar zu Unrecht, sind doch die Spiritualität und Begeisterungsfähigkeit – im Guten wie im Schlechten – mindestens ebenso bedeutsam), weniger bekannt ist der Gegensatz zwischen “Moderne” und den Stammesgesellschaften – auch wenn hier der abverlangte Spagat innerhalb der Gesellschaft mindestens ebenso schmerzhaft ist. Während das indische Weltraumeroberungsprogramm Fahrt aufnimmt und jedes Jahr Millionen um Millionen das Internet entdecken, gibt es über den ganzen Subkontinent gut versteckte Winkel, in denen Menschen Leben noch leben wie es ihre Vorfahren schon vor tausenden Jahren getan haben und wie man es im Westen am ehesten von Dokumentationen über die Völker des Amazonas kennt. Bis ins 21. Jahrhundert war das politische Ziel, diese Menschen möglichst schnell “in die Moderne” zu katapultieren, damit sie auch von dern Annehmlichkeiten profitieren sollten. Das entwickelte sich aber ebenso desaströs wie bei den “American Natives” und den australischen “Aboriginees”. Nur gut, dass dem indischen Staat die Mittel fehlten, das mit aller Konsequenz zu Ende zu führen. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden und es wurde sogar begonnen, die Lebensweise der Stammesgesellschaften zu schützen – vor Konzernen, die in den Lebensbereichen der Menschen Rohstoffe abbauen wollen oder Infrastrukturprojekte durchsetzen. Besonders vorteilhaft war hier die Unterstützung der Autorin Arundhati Roy, die ein besonderes Ansehen im Westen genießt und sich den Schutz der Stammesgesellschaften als Herzensthema verschrieben hat. In Indien wurde das Thema mit dem Medium populär, das wie kein anderes die öffentliche Meinung beeinflussen kann: das Kino. Im Kassenschlager “Avatar” sahen die Inder eine Anspielung auf die Stammesgesellschaften und ihnen wurde bewusst, dass diese “archaische” Lebensweise nicht unbedingt als “rückständig” zu sehen ist – und diesen nun hoffentlich mehr Respekt gegenüber ihrer Lebensweise entgegengebracht wird. Die taz berichtet ausführlich zu einem “Ausflug” zu den Dongria Kondh, einem Volk in den Niyamgiri-Bergen in Orissa, mit einer etwas flapsigen Überschrift.
