13.11.2011

Das Leben der Anderen

Der krasse Gegensatz von arm und reich in Indien dürfte das bekannteste Attribut dieser Gesellschaft sein (vielleicht sogar zu Unrecht, sind doch die Spiritualität und Begeisterungsfähigkeit – im Guten wie im Schlechten – mindestens ebenso bedeutsam), weniger bekannt ist der Gegensatz zwischen “Moderne” und den Stammesgesellschaften – auch wenn hier der abverlangte Spagat innerhalb der Gesellschaft mindestens ebenso schmerzhaft ist. Während das indische Weltraumeroberungsprogramm Fahrt aufnimmt und jedes Jahr Millionen um Millionen das Internet entdecken, gibt es über den ganzen Subkontinent gut versteckte Winkel, in denen Menschen Leben noch leben wie es ihre Vorfahren schon vor tausenden Jahren getan haben und wie man es im Westen am ehesten von Dokumentationen über die Völker des Amazonas kennt. Bis ins 21. Jahrhundert war das politische Ziel, diese Menschen möglichst schnell “in die Moderne” zu katapultieren, damit sie auch von dern Annehmlichkeiten profitieren sollten. Das entwickelte sich aber ebenso desaströs wie bei den “American Natives” und den australischen “Aboriginees”. Nur gut, dass dem indischen Staat die Mittel fehlten, das mit aller Konsequenz zu Ende zu führen. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden und es wurde sogar begonnen, die Lebensweise der Stammesgesellschaften zu schützen – vor Konzernen, die in den Lebensbereichen der Menschen Rohstoffe abbauen wollen oder Infrastrukturprojekte durchsetzen. Besonders vorteilhaft war hier die Unterstützung der Autorin Arundhati Roy, die ein besonderes Ansehen im Westen genießt und sich den Schutz der Stammesgesellschaften als Herzensthema verschrieben hat. In Indien wurde das Thema mit dem Medium populär, das wie kein anderes die öffentliche Meinung beeinflussen kann: das Kino. Im Kassenschlager “Avatar” sahen die Inder eine Anspielung auf die Stammesgesellschaften und ihnen wurde bewusst, dass diese “archaische” Lebensweise nicht unbedingt als “rückständig” zu sehen ist – und diesen nun hoffentlich mehr Respekt gegenüber ihrer Lebensweise entgegengebracht wird. Die taz berichtet ausführlich zu einem “Ausflug” zu den Dongria Kondh, einem Volk in den Niyamgiri-Bergen in Orissa, mit einer etwas flapsigen Überschrift.

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13.11.2011

Die grüne Aufklärung

Umweltschutz war in Indien bisher nur ein Thema für intellektuelle Eliten – das Mega-Thema Wirtschaftsaufschwung und wie möglichst alle Gesellschaftsschichten davon profitieren können dominiert das Agenda-Setting (wenn nicht gerade wieder religiöse Konflikte das Tagesgeschehen bestimmen). “Durch die Hintertür” konnten bereits “grüne” Themen in der indischen Gesellschaft einen Nährboden finden – wenn sie denn den wirtschaftlichen [...]

06.08.2011

Irrungen, Wirrungen

Es begann mit einem Mißverständnis. Als ein Mann namens Adolf Hitler von der “Überlegenheit der Arier” sprach, hatte er blonde, blauäugige Nordmenschen im Kopf. Aber eigentlich umfasst “Arier” die indogermanischen Sprachgruppen (die aber nicht zwangsläufig auf eine einzige “Ursprache” zurückzuführen sind). Dazu gehören neben Griechisch, Latein und germanischen Sprachen auch Sanskrit. so fühlten sich auf [...]

06.08.2011

Die Demokratie wird mächtig

Indien ist eine Demokratie. Das ist meist der erste und der letzte Eindruck den man von Indien bekommt, die unzähligen Eindrücke dazwischen lassen eher das Gegenteil vermuten. Korruption ist Teil der indischen Gesellschaft und auch wenn das Kastenwesen zumindest in den Städten an Bedeutung verliert, ist “oben” und “unten” trotz – oder gerade wegen – [...]

23.06.2011

Ethos in Not

Wieder einmal zeigt die schweizerische NZZ den deutschen Medien wie man – auch online – eine hervorragende Indien-Berichterstattung abliefert. Und das, obwohl das Thema “Kinderheirat” ja eigentlich eher Hoheitsgebiet des Boulevard-Journalismus ist. Das Verheiraten von Mädchen im Kindesalter ist zwar schon lange verboten und wird auch aktiv verfolgt, ist aber nach wie vor für viele [...]

05.06.2011

Indienforschung 2.0

Zu meiner Studienzeit war es nicht ungewöhnlich, an vielen Universitäten, vor allem in Wirtschafts- und IT-Studiengängen, auf indische Kommilitonen zu treffen. Wegen (oder auch vielleicht trotz) der unseligen “wir brauchen Fachkräfte aus Indien”-Debatte Anfang des letzten Jahrzehnts, waren die Unis besonders bemüht, indischen Studienwilligen die geeigneten Rahmenbedingungen zu bieten. Wenn es aber darum ging, als [...]

05.06.2011

Frau Merkel auf dem Trip

Der Schreibstil von Spiegel Online macht Spaß. Zumindest denen, die auf kurze Sätze, launige Beschreibungen und ein fest zementiertes Weltbild stehen. Die Meinungshoheit, die sich die Bild-Zeitung offline nicht nehmen lässt, liegt online eindeutig bei SpOn: “Die USA” sind unberechenbar, notorisch gewaltbereit und alles wird vom Präsidenten persönlich entschieden. “Die Italiener” sind unzuverlässig, dekadent und [...]